Wingolfspauke zum 82.Stiftungsfest

Werte Kommerscorona, es steigt nun die Wingolfspauke!

„Ach die Wingolfspauke, ist e jedes Jahr das gleiche“, das wird einigen hier eben durch den Kopf gegangen sein. Die Probleme der Studenten durch den Bolognaprozess oder die Wirtschaftskrise haben wir doch in letzteren Pauken öfters zu Ohren bekommen. Doch ich habe heute ein anderes Hauptthema erarbeitet.

Eines der wichtigsten Themen für mich in diesem Semester ist die Arbeit am Zusammenhalt innerhalb der Verbindung. Die Frage des „warum“ ist einfach zu beantworten. Mit dem Treueschwur der Burschung, der wie folgt unter Eid geschworen wird:

„Gelobst du, stets zum Wingolf zu Wien zu stehen, an seinen Prinzipien getreulich festzuhalten, seine Statuten gewissenhaft zu befolgen, Freud und Leid mit ihm zu teilen, seine Interessen nach Kräften zu fördern und allen seinen Mitgliedern ein wahrer Freund und Bruder zu sein. So gelobe es auf die rot–weiß–grüne Fahne des Wingolf zu Wien.“

Wir geloben ein wahrer Freund und Bruder zu sein, aber ist das so? Wir keilen oft mit dem Argument der Brüderlichkeit im Wingolfsbund. Nur sind wir alle brüderlich in unserem Miteinander? Sind wir jedem Bundesbruder ein Bruder in guten und in schlechten Zeiten?

Es kommt mir vor, als ob seit einigen Semestern der Kontakt der Verbindung zur Öffentlichkeit der Hauptpunkt der Semesterplanung ist. Wir brauchen große Berühmtheiten, oder tolle Veranstaltungen, denn sonst können wir ja nicht keilen. Aber ist das wirklich so?

Natürlich machen sich solche Veranstaltungen gut in dem Programm und es zieht womöglich auch Spähfuxen auf die Bude, aber mit welcher Intention? Sicherlich nicht, weil sie auf der Suche nach Brüderlichkeit und dem Bruderbund waren. Aber gerade das ist für mich einer der wichtigsten Punkte im Wingolf aktiv zu sein.  Teil des Bruderbundes zu sein, ein Leben lang. Das Wort Brüderlichkeit birgt als Stammwort den Begriff Bruder, das sich vom japhetischen „bʰer“ ableitet. Das bedeutet unter anderem Frucht bringen und gerade dieser Terminus drückt doch aus, was der Bund für uns bedeuten soll.

Ein Bundesbruder zu sein heißt, die Fehler und Schwächen des anderen zu tolerieren und Meinungsverschiedenheiten nicht mit einer „Hau drauf Mentalität“ zu schlichten, sondern auf brüderliche Art in einem Gespräch. Die Stärken der Brüder sollte man fördern und ihm in jeder Lebenssituation zur Seite stehen. Das ist für mich Brüderlichkeit. Doch  sehen wir uns einmal die Definition des Begriffes Brüderlichkeit an: „Brüderlichkeit ist der historische Begriff für die Überzeugung von der Zusammengehörigkeit und von der Gleichheit und Würde aller Menschen.“

Die Gleichheit und Würde aller Menschen, dies sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Außenstehenden vermitteln wir, dass wir ein Bruderbund sind. Respektieren wir die Gleichheit und Würde jedes Menschen?

Dies ist vielleicht eine harte Fragestellung, doch sollte jeder von uns einmal darüber nachdenken wie es bei uns selbst mit der Erfüllung dieser Anforderung aussieht. Gerade für uns, als christliche Studentenverbindung, ist die christliche Definition der Brüderlichkeit sehr wichtig: “Die Einswerdung mit Christus schließt die Einswerdung der Christen untereinander ein und bedeutet so die Aufhebung der trennenden natürlichen geschichtlichen Grenzen.“ Dazu der passende Vers aus dem Matthäus Evangelium, Kapitel 23, Vers 8: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.“

Ihr aber alle seid Brüder. Passende Worte aus lang vergangener Zeit, die wir als Wingolfiten heute noch hoch halten müssen.

Wir sind kein unpersönlicher Club oder eine Lobbyverbindung, wir sind der Wingolf. Und vorallem der Wingolf zu Wien. Wir müssen uns in Wien gegen die großen ÖCV Verbindungen durchsetzen und gerade hier sehe ich unser großes Potential als Bruderbund. Wir brauchen uns nicht mit 20-30 Fuxen zu brüsten, die sich untereinander nicht kennen und die Burschen erst recht nicht. Wir sollten unsere Maßstäbe nicht an der zweistelligen Zahl der Füxe stellen. Sondern lieber eine kleine, aber starke Fuxia bilden. Wir brauchen junge, angehende Akademiker, die den Willen haben in den Wingolf zu investieren. Junge Menschen die den Sinn des Wingolfs begriffen haben und sich engagieren wollen in einer Sache, die es nun schon seit mehr als 160 Jahren gibt. Die jungen Studenten müssen erfassen, welch Vorteile sie dadurch unter den anderen Studenten erlangen. Sie werden später ihr Engagement und ihre Arbeit für den Wingolf tausendfach zurückbekommen.

Deshalb, meine lieben Bundesbrüder, sollten wir bei der Keilung, abgesehen von den Vorteilen der Vernetzung und Bereitstellung von Hilfe im Studium, den Bruderbund als zentrales Thema vermitteln. Denn so können wir uns in Wien durchsetzen und haben einen sehr gewichtigen Vorteil, gegenüber den anderen Verbindungen bei der Keilung.

Werte Bundesbrüder, denkt immer daran, wir sind Bundesbrüder und haben dies unter Eid geschworen. Haltet dieses Privileg euer Leben lang hoch, es kann euch nur gutes bringen.

Zum Abschluss dieser Pauke zitiere ich Johann Heinrich Pestalozzi: „Wer sich im Geist und in der Wahrheit als Bruder von Hunderten fühlt, der ist ein höherer Mensch als der zärtlichste Bruder von Einem.“

C.O. Wi07

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