Das Verbindungshaus in Oberschützen

Vor mehr als drei Jahren wurde eine Idee geboren: Ein eigenes Haus für die beiden Schülerverbindungen in Oberschützen, um nicht mehr in einem stark renovierungs-bedürftigen, schimmligen Keller zur Miete wohnen zu müssen, der weder für interessierte Schüler noch für viele ältere Mitglieder attraktiv ist. Viele Hürden mussten überwunden, Meinungsverschiedenheiten ausgetragen und Diskussionen geführt werden, bis die Convente in großer Mehrheit der „unvorstellbaren“ Idee des Kaufes eines entsprechenden Objektes zugestimmt hatten.

Die Tauriscia Oberschützen und die Asciburgia Oberschützen haben nun einen Hausverein gegründet, den Oberschützer Korporationsverband, in dem beide Verbindungen gleichberechtigt Mitglied sind. Dessen paritätisch besetzter Vorstand – in ihm sind auch vier Wingolfiten, die Philister Frauneder, Gimbel (auch Phil-x der Asciburgia), Pirkl P. und der Aktive Putz (als x der Asciburgia) – hat sich im April diesen Jahres rasch konstituiert und verfolgte beharrlich den Ankauf des Hauses in der Schützenstraße 12.

Im Juni 2009 wurde der Kaufvertrag unterschrieben, im Juli und August fanden die umfangreichen Renovierungsarbeiten statt und am 12. September wurde unser Verbindungshaus mit einer großen Feier eingeweiht.

Für mich als Philistersenior der Tauriscia, der ich erst seit April im Amt bin, ist alles noch viel schneller gegangen, als ich es gerade beschrieben habe. Voller Stolz und Begeisterung habe ich bei der Renovierung mitgewirkt. Jeder Handgriff der gesetzt wurde, jeder Gedanke über Einrichtung und Verzierung bestärkte den Glauben an ein lebendiges Verbindungsleben. Alle bemühten sich so sehr und waren/sind mit ganzem Herzen dabei, dass sich einfach jeder Gast hier wohl fühlen muss. Und nicht nur jeder Gast sondern auch alle Aktiven und Philister, die hier gemeinsam den Grundstein für eine hoffnungsvolle Zukunft der Korporationen in Oberschützen legen. Das was vor einigen Monaten noch als vages Projekt einiger „Verrückter“ ausgesehen hat, ist jetzt Wirklichkeit geworden. Mit harter Arbeit, Aufopferungsbereitschaft und Zusammenhalt haben wir es geschafft, ein Verbindungshaus zu gestalten, in dem sich alle wohlfühlen können.

Beeindruckend war auch der Arbeitseinsatz den ein paar wenige aus allen drei Verbindungen Tauriscia, Asciburgia und Wingolf zusammen mit Kartellbrüdern aus dem BMV gezeigt haben. Meine Hochachtung allen, die sich hier so engagieren und für die Zukunft arbeiten.

Das Haus selbst ist ein typisch burgenländisches Bauernhaus, ca. 110 Jahr alt, 120m² Wohnfläche, mit einem kleinen Garten und einem alten Stadl. Ein ganz besonderer Teil ist der alte Gewölbekeller, der bereits auf die erste Kneipe wartet. Im Haus gibt es einen gemütlichen Aufenthaltsraum und einen Kneip- und Veranstaltungsraum. Dazwischen liegen der Eingangsbereich und die Küche mit Barraum. Bei der Renovierung haben wir uns neben Funktionalität vor allem um Gemütlichkeit bemüht. Moderne und Tradition werden kombiniert und so bietet das Verbindungshaus kompakt alles, was ein Couleurstudent in Oberschützen braucht.

Tauriscia und Asciburgia, deren Philister und auch Philister des Wingolf zu Wien, haben für die Umsetzung des Projektes Verbindungshaus gespendet. Dafür sei hier noch einmal herzlich gedankt. Ohne diese Unterstützung wäre ein so rasches Umsetzen unserer Idee wohl nur schwer realisierbar gewesen. Wir haben knapp kalkuliert und es wäre noch viel möglich.

Um die Möglichkeiten, die ein Haus bietet, voll auszuschöpfen und für Schüler noch attraktiver zu machen und so die Keilung an den Oberschützer Gymnasien zu unterstützen, bitten wir weiterhin um euren Beitrag. Wir wollen auch verstärkt mit der Ortsbevölkerung, den anderen Vereinen und der Kirchengemeinde in Kontakt treten und das Haus als offenen Veranstaltungsort in das Dorfleben einbringen. Die Verbindungen sollen anerkannte und fixe Institutionen in „Europas größtem Schuldorf“ werden. Wenn die Aktivitates in Oberschützen gedeiht, wird auch der Wingolf zu Wien weiter verstärkt Zuwachs bekommen.

Die Bündelung aller Kräfte im Oberschützer Korporationsverband erweist sich für mich als der richtige Weg, die Verbindungen in Oberschützen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Und das nicht nur als Hausverein, sondern als innere Bindung katholischer und evangelischer Couleurstudenten weiterhin gemeinsame Semesterprogramme zu gestalten und eine Atmosphäre zu schaffen, die abwechslungsreich, anspruchsvoll und einladend ist. Ich bin überzeugt, dass möglichst viele Schüler das Verbindungshaus in Oberschützen als „zweites Wohnzimmer“ nutzen werden, zum Lernen, Spielen, Entspannen und Feiern. Aber auch für (ältere) Philister bietet sich nun eine repräsentative Möglichkeit im stilvollen Rahmen zu feiern, Maturatreffen oder private Feien abzuhalten.

Der Wingolf zu Wien ist immer willkommen, die Möglichkeiten der Nutzung sind vielfältig. Ob als Tagungsort für Klausuren, über eine private Nutzung des Hauses auch für Wingolfiten als Ausgangspunkt für viele touristische Ziele: Burgenlandtherme, Kulturzentrum Oberschützen, Haus der Volkskultur/Hianzenmuseum, Friedensmuseum Schlaining, Wein- und Schlösserstraße, bis hin zu privaten Feierlichkeiten.

Ein paar wenige haben es geschafft etwas Großes zu vollbringen. Solange es Bundesbrüder gibt, die sich engagieren und mit Herz dabei sind, können wir viel erreichen.

Es ist etwas ganz Besonderes in Oberschützen, jetzt nicht nur auf die „Bude“, sondern adH „auf das Haus“ in die Schützenstraße 12 zu gehen. Mögen wir uns dort oft treffen. Alle sind dazu eingeladen.

Philipp Pirkl Wi01, Tauriscia Phil-x

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Menschen die (Österreich) bewegen

ÖFB Teamchef Didi Constantini, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft DI Nikolaus Berlakovich, Trägerin des Weltmenschpreises 2007 Ute Bock, Bischof der evangelischen Kirche A.B. in Österreich Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Mag. Dr. Andreas Unterberger – was auf den ersten oder zweiten Blick ein Querschnitt durch die landesweiten Nachrichten sein könnte ist ein Rückblick auf die letzten beiden Semester des Wingolf zu Wien.
Angetrieben von dem Ehrgeiz das beste Semesterprogramm (nicht nur) in Wien zu bieten, wurde eine Arbeitsgruppe mit 8 Wiener Bundesbrüder eingesetzt, die das Thesenpapier aus dem Bund als Grundlage für ihre Arbeit nutzten. Ein gewöhnliches 08/15 Semesterprogramm wollten wir nicht mehr bieten. Daher wurde im Sommersemester 2009 die Grundlage für unser damaliges Jahresthema „Menschen die Österreich bewegen“ gelegt.

Als ein Ergebnis der Arbeitsgruppe konnten vielfältige Vorschläge für ein ausgewogenes Programm präsentiert werden, inhaltlich ansprechend für alle Bundesbrüder.

Ein Ziel sollte neben abwechslungs-reichen Veranstaltungen auch die persönliche Weiterbildung des Einzelnen sein, der berühmte Blick über den Tellerrand des Studiums hinaus.

Jede einzelne Veranstaltung war ein voller Erfolg. Ob es eine ungezwungene Diskussion über die (ausbleibenden) Erfolge der österreichischen Fußballnationalmannschaft war, oder ob sich Profi-Fußballer von den Fangesängen ablenken lassen, oder es sie antreibt, wie man überhaupt Nationaltrainer wird – keine Frage blieb an diesem Abend offen.

Ebenso lies es sich Kartellbruder Umweltminister Niki Berlakovich nicht nehmen zum „Minister im Gespräch“ mit anschließendem Martiniganslessen in Couleur zu erscheinen und beantwortete trotz seiner knapp bemessenen Zeit Fragen, mit denen er so wohl noch in keiner Pressekonferenz konfrontiert worden war.

Bei den Worten Wirtschaftskrise, Banken-Bankrott und faulen Krediten stieß der Vortrag zu „Fusionen und Übernahmen“ (Mergers & Acquisitions) von Unternehmen auf offene Ohren. Jeder kennt diese Wörter, aber was wie eine Unternehmensübernahme, teils auch feindliche Übernahme, wirklich ist, wie sie funktioniert, davon hatten die wenigsten eine Ahnung. Der Dozent verstand es den komplexen Stoff seiner Vorlesungen, auch mit seinem breiten Wissen aus der Praxis, sehr anschaulich und leicht verständlich zu übermitteln.
Ernster wurde es beim Thema von Ute Bock, die uns schonungslos die Situation von Einwanderern aus allen Erdteilen, (Kriegs-)Flüchtlingen, Verfolgten aller Art oder Asylbewerbern schilderte. Unbegreifliche Schicksale wurden detailliert geschildert, die man eher aus einem diktatorischen oder sonst niedergebeuteltem Land gewohnt wäre, aber nicht von einem so reichen Land wie Österreich. Kaum einen der Zuhörer ließen die teils menschenunwürdigen Bedingungen kalt. Am Ende des Abends wurden 300 Euro gespendet.

Die österreichische Innenpolitik der letzten 10 Jahre nahmen wir gemeinsam mit Andreas Unterberger unter die Lupe. Als ehemaliger Chefredakteur der “Wiener Zeitung” wie von “Die Presse” bot er uns einen umfangreichen Einblick und es entwickelte sich eine vortreffliche Diskussion. Wie kaum ein anderer Vortragender schaffte er es uns mit seinen interessanten Ansichten, Erfahrungen und Berichten in seinen Bann zu ziehen.

Bei manchen Verbindung fristet das Thema Christianum ein Schattendasein. Um so mehr erfreute die Resonanz der Bundesbrüder, die Bischof Bünker auf die Bude locken konnte. Beinahe 40 Zuhörer lauschten gebannt den Ausführungen von Bischof Bünker zu verschiedenen christlichen Themen. Auch kritische Nachfragen zur evangelischen Kirche, der schwindenden Anzahl der Gläubigen, mangelhaft ausgebildete Pfarrer, oder der ökumenischen Zusammenarbeit wurden in einem gemeinsamen Dialog für alle Beteiligten zu einem spannenden Abend.

Abgerundet wurden die Semester-programme durch Programmpunkte wie Rhetorik Seminare von Semtool, ein Vortrag zum Thema „Umstände und Zustände in der Wirtschaft“ von Phil. Schranz – Brigadier a.D. -, ein Besuch der Generalprobe für das Weihnachtsoratorium von J.S.Bach mit Bass-Solist Phil. Müller-Brachmann Fr.93, Phil-x Weinhofer legte uns literarische Meisterwerke ans Herz, Phil. Krems den Jakobsweg und unseren Wingolf im dritten Reich. Weitere heitere Stunden brachten die Abende mit unseren Philistern Holzer und Kühnert, sowie Leitner und Kainz die viele Anekdoten über ihre Aktivenzeit erzählten.
Nach nunmehr zwei Semestern können wir ein erstes Resümee ziehen. In Zeiten der Bologna-Universitätskultur, steigenden Kosten die (noch mehr) Nebenjobs bedeuten, konnten wir die knapp bemessene Freizeit nicht nur im Kreise unserer Bundesbrüder verbringen. Wir haben es als kleine Verbindung in Wien geschafft, unsere knappe Freizeit abseits der Stafettentische sinnvoll zu nutzen und unseren Blick über den Horizont hinaus, auch für nicht alltägliche Probleme, zu öffnen.

Aus Sicht der Semesterplaner, wie auch aus Sicht der damaligen Arbeitsgruppe, ist unser erarbeitetes Konzept zu unserer vollsten Zufriedenheit aufgegangen.

Wir dürfen somit auf die nächsten Semester gespannt sein, welche hochkarätigen Gäste wir wieder zu uns auf die Bude locken können.

A.S. Wi07