72.Wartburgfest des Wingolf

Für einige Wiener Wingolfiten und auch für mich begann das Wartburgfest schon ein paar Tage früher, denn wir nutzten die Anreise für einige Couleurbesuche unserer Bundesbrüder in Deutschland. So hatte die „Vorhut“ auch das Vergnügen von der Chattia zu Würzburg und dem Erfurter Wingolf Georgia empfangen zu werden. Am Mittwoch war bereits das erste Highlight auf unserer Liste, der schon zur Tradition gewordene Begrüßungsabend bei unserem Phil. Hermann Sitz auf seinem Familienanwesen in Atzmannsdorf bei Erfurt. Nach einer Führung und dem einen oder anderen Begrüßungsbier mit den eintreffenden Bundesbrüdern aus Wien, Heidelberg und Erfurt wurde uns ein herrliches Buffet und das Beste vom Grill aufgetischt. Nachdem wir uns gestärkt hatten, schlugen wir natürlich eine Ex-Kneipe bei der herzlich gesungen und Präsente ausgetauscht wurden. Hier war dann auch der geeignete Zeitpunkt, die schöne Tradition der Deckeltaufe an meinem Confux Drewes und mir zu vollziehen.

Obwohl wir bis weit in die Nacht feierten, standen wir rechtzeitig auf, um unsere letzten, gerade aus Wien eingetroffenen Bundesbrüder zu begrüßen. Nach einem kräftigen Frühstück machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Eisenach. Dort zogen wir dann als rot-weiß-grünes Fahnenmeer ein und fuhren sofort zum Festbüro um unsere WBF-Abzeichen abzuholen. Anschließend bezogen wir unsere Quartiere und machten uns für den Aufstieg zur Wartburg fertig. Aus Zeitgründen konnten wir leider nicht an der Gedenkfeier für unseren im KZ Buchwald umgekommenen Bbr Paul Schneider teilnehmen. Um 17 Uhr nahmen die Chargierten bei der Eselstation Aufstellung und machten sich bereit den Weg bis zum Innenhof der geschichtsträchtigen Wartburg zu erklimmen. Dieses Jahr hatte ich die Ehre der Fahnenfux für den Aufstieg zu sein, was für mich ein ganz besonderer und unvergesslicher Moment in meinem noch sehr jungen Verbindungsleben war. Bevor wir uns allerdings in Bewegung setzten, meldete sich der Wettergott mit einem sinnflutartigen Regenguss mit Hagel. Genauso schnell wie er gekommen war, hörte er wieder auf, so dass wir total durchnässt aber pünktlich zum geplanten Aufstieg starten konnten. Im Innenhof angekommen, nahmen dann die Fahnenträger und die Chargierten nach Anweisung Aufstellung und der festliche Akt zum 72. WBF begann mit der Begrüßung der Bundeschargen und des VAW-x und endete mit dem traditionellen Gruppenfoto.

Danach machten wir uns wieder nach Eisenach auf und ließen dann den Abend im Augustiner Keller, unserem Couleurlokal, mit einem gemeinsamen Essen und einer Ex-Kneipe ausklingen. Der Freitag begann für mich mit der ernsten Feier in der Eisenacher Georgenkirche. Sehr beeindruckend war für mich, als neu gewonnenes Verbindungsmitglied, der Einmarsch auch hier wieder von den Chargierten unserer verschiedenen Verbindungen im Bund. Daran schloss sich eine, für meinen Geschmack hervorragend gehaltene Dialogpredigt von Pfarrer Wagner und Niekel, die die Probleme zwischen der Freiheit und der Verantwortung in Bezug auf unseren Wahlspruch „Di henos Panta“ thematisierten. Im Anschluss marschierten wir Wingolfiten zum Wingolfsdenkmal am Pfarrberg. Wo wir unseren Toten und Opfern von Gewaltherrschaften und Kriegen gedachten.

Um 20 Uhr sollte dann mein persönlicher Höhepunkt und auch der des gesamten Wartburgfestes folgen, der Festkommers. Da ich als Fahnenfux eingeteilt wurde war ich natürlich besonders aufgeregt, vor allem da jeder unserer Wiener Bundesbrüder seine eigene perfekte Idee davon hatte, wie ich denn die Fahne zu halten habe. Mit ein wenig Verspätung ging es dann los und unter ausrufen der Verbindungsnamen marschierte die jeweiligen ein, wobei sich die Bundesbrüder die schon in der Halle saßen beim Ausruf Ihre Verbindung lautstark bemerkbar machten. Nachdem die Chargierten auf Ihren Plätzen eingetroffen waren, sang die Festcorona ein donnerndes „Argentina“.

Nach verschiedenen ausgesprochenen Glückwünschen, Reden und Ansprachen, begann der Auszug. Bei welchem unser Wingolf zu Wien einmal mehr sein schneidiges und steiles Auftreten unter Beweis stellte. Kaum zogen wir, ich mit der Fahne voran, gefolgt von unseren Chargierten, am grünen Zapfen unserer Bundesbrüder vorbei, flogen auch schon die Papierschnipsel unter dem lauten Getöse der Wiener Wingolfiten und kurzer Hand später befand sich unser Senior auf den Schultern von zwei Bundesbrüdern und so zogen wir unter den blicken der gesamten Corona aus und von dannen. Ich für meinen Teil habe noch nie etwas Beeindruckenderes erlebt. Im Anschluss fand die Burschenfeier statt, die ich von der Tribüne aus beobachtete und mir klar wurde, dass ich tatsächlich einen Lebensbund eingegangen war und wie stolz ich war und bin: Ein Wiener Wingolfit zu sein. Am Storchenfest klang der aufregende Tag aus…

Samstagvormittag trafen wir uns, um geschlossen das Burschenschafterdenkmal zu besichtigen und mit dem Hintergrund der Wartburg das so eine und andere schöne Foto zu schießen. Auch einen Eselsritt zur Wartburg mit anschließender Besichtigung bzw. Gesangseinlagen auf dem Wartburgturm inkludierten wir in unseren Ausflug, bevor wir das Konzert des Leipziger Streichquartetts um 16.00 Uhr in der Georgenkirche verfolgten. Jetzt neigte sich der mehrtägige Ausflug in die Welt der Studentenverbindung, des brüderlichen Umgangs und des familiären Zusammensitzens, als auch dem des Generationenaustausches und dem des Kennenlernens vieler neuer interessanter Persönlichkeiten, leider dem Ende…

Johann Philipp-Felix Buchholtz Wi09

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